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Sam on the Rocks @ Kadavar Konzert – 09.10.2014 Tower Bremen

Lange haben wir darauf gewartet die Berliner Senkrechtstarter des Retro-Rock live in Club-Atmosphäre erleben zu dürfen. Beim Freak Valley Festival in Siegen/Netphen waren sie 2014 neben den Blues Pills ja schon als Co-Headliner dabei, wo ich Lupus interviewen durfte. Doch ein Club-Konzert ist da noch einmal eine ganz andere Erfahrung. Uns so freuten wir uns besonders auf dieses Konzert, welches quasi genau vor unserer Haustür stattfand. Es war ohnehin schon erstaunlich, dass eine Band, die so schnell die Höhen der Retro-Rock-Szene erklommen hatte, in so einer doch eher kleinen Location wie dem Tower spielen würde.

Der Tower im Herzen von Bremen ist an sich eine recht passende Umgebung für diesen kernigen Rock bärtiger Machart, die Einrichtung ist eher dunkel und abgeranzt und durch Einbauten, die an alte verfallene Gemäuer erinnern, entsteht eine recht urige Atmosphäre. Nichts desto trotz wirkt der Innenraum recht übersichtlich, sodass mehr als 300 Besucher dort wohl kaum Platz finden würden, ohne sich gegenseitig die Hühneraugen zu penetrieren. Umso weniger erstaunlich war es somit, dass das Konzert an einem Donnerstagabend bereits im Vorfeld komplett ausverkauft war.

Mit einem kühlen Blonden pilsener Brauart positionierten wir uns also direkt vor der recht winzig anmutenden Bühne. Darauf waren bereits beide Schlagwerkarrangements von Kadavar und der Support-Band The Picturebooks aufgebaut, sodass nicht unbedingt der Eindruck entstand, dass dort noch mehr als drei weitere Musiker Platz finden würden. Insofern war es auch ganz passend, da die Berliner ohnehin nur zu dritt sind, und wie wir dann feststellten, The Picturebooks auch nur zu zweit waren. Interessant mutete aber das Schlagzeug der Supporter an, da es eher wie die Zusammenstellung aus drei waagerecht aufgestellten Bassdrums und einer Tom daher kam. Dies war aber in der Spielweise der beiden Gütersloher begründet, die ihren ganz eigenen Stiefel fahren, wie wir dann bei ihrem Auftritt feststellten. Irgendwas zwischen Retro-Rock und Stoner-Rock war da zu erahnen zwischen den anscheinend fast unermüdlich andauernden Verzerrungen der Gitarre und dem doch recht einfach und monoton gestalteten an Marschmusik erinnernden Drums. Vermutlich wäre dieses Gesamtkonzept gar nicht so verstörend gewesen, wenn der breiige Sound, der im Tower produziert wurde das alles nicht so ohrenbetäubend schrill und trommelfellsprengend laut aus den Boxen gedrückt hätte. Laut ist zwar oftmals schön, aber eben nicht immer gut… 

Ohne Zweifel hingegen waren beide allerdings extrem in ihrer Musik und haben wirklich alles gegeben, denn nicht nur einmal befiel uns die Angst, dass der Gitarrist mit seinem recht energischen Körpereinsatz intensiveren unbeabsichtigten Kontakt mit dem Verstärkern oder Schlagzeug aufnehmen wollte. Bis auf wenige Ausnahmen hatte ich allerdings bei den meisten Songs hinterher einen eher verwirrten Gesichtsausdruck über dem sich ständig imaginär das Wort „Hurz“ formierte und ich nach den versteckten Kameras Ausschau hielt. Es ist anscheinend immer noch so, wie in den 70ern, wo man Musik nur unter dem Einfluss von Kräuterwaren verstanden hat. Da wir dem nicht so zugetan sind, erschloss sich uns deswegen wohl nicht vollständig die Messege dieser Zwei-Mann-Formation. Was wir allerdings unzweifelhaft feststellen mussten war, dass hier einige Gäste offenbar dieses Konzert mit einem Punk-Rock-Konzert verwechselt haben mussten, denn nicht nur einmal wurden wir von diesen brachial herum pogenden und offensichtlich mit mindestens zwei Atü auf dem Kessel vollgepumten Baseballcap-tragenden Flummies unsanft in Richtung Bühne katapultiert. Zum einen war das an sich schon unangenehm genug, aber die recht niedrige Kniehöhe der Bühne und die dort direkt am Rand aufgebauten Schlagzeuge, Anschlüsse und Mikrophonierungen waren in Kombination mit den Sprungattacken von hinten dann doch eher schmerzhaft und gefährlich für die Bands und deren Instrumente. Nicht zuletzt auch weil viele meinten, dass es eine wunderbare Idee wäre genau dort bei den Verkabelungen ihre Plastik-Bierbecher abstellen zu müssen. Doch bevor dies eskalierte waren The Picturebooks nach ca. 45 Minuten Spielzeit auch am Ende und so entspannte sich die Lage vorerst.

 

Nach einer Dreiviertelstunde ging es dann weiter und die Berliner enterten die Bühne. Der Sound war merklich besser, aber von der Definition „gut“ dennoch weit entfernt leider. Lupus am Gesang und Gitarre waren an der Bühne kaum zu hören, geschweige denn zu verstehen, hinten wurde das dann besser. Zunächst blieben wir aber vorne um ein paar Bilder zu schießen, was aber ohne Fotograben oder jedwede sonstige Absperrung in Anbetracht der Masse extrem schwierig zu bewältigen war. Es war aber definitiv ein Erlebnis Tiger am Schlagzeug hautnah zu erleben, weil wir quasi mit der Nase in der Basedrum vor der Bühne standen. Die Haare flogen nur so umher, dass das Tier aus der Muppet-Show vor Neid erblasst wäre. Mammuts Nachfolger Dragon am Bass spielte wie gewohnt mit einer an Gleichgültigkeit anmutenden Coolness und war durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Lupus an der Gitarre ging allerdings fast etwas unter ob des schwach eingestellten Soundarrangements. Ob sich das im Laufe des Konzertes gebessert hat, können wir leider nicht sagen, da mit Beginn des Auftrittes auch die verirrten Broiler-Fans wieder für unangebrachte Akrobatik sorgten. Bierbecher kippten auf der Bühne um und die anderen Gäste konnten nur mit Mühe verhindern nicht ins Schlagzeug zu katapultiert zu werden. Die Auslöser dafür ließen sich auch nach mehrmaligen und inzwischen recht intensiven Eingreifen der anderen Gäste nicht mäßigen, und als ich dann beim dritten Song schmerzhaften Gesichtskontakt mit dem Ellenbogen einer der Protagonisten hatte, war für mich an dieser Stelle Schluss mit lustig. Nachdem wir dann den einzigen anwesenden Security-Mann gemütlich an der Kasse sitzend vorfanden und ihn auf die Problematik hinwiesen, setzte sich dieser dann aber auch postwendend in Bewegung und sorgte tatsächlich mit nur wenigen, anscheinend ausdrucksstarken Worten zumindest im Ansatz wieder für ein wenig Sicherheit vor und auf der Bühne. Wir hatten ein paar Fotos schießen können, was unter diesen Bedingungen schon mehr als schwierig war, und zogen uns weiter nach hinten zurück.

Allerdings ließ es mein anschwellendes Jochbein leider nicht zu noch wesentlich länger zu bleiben, und so endete dieses so verheißungsvolle Konzert für uns bereits leider nach dem vierten Song. Insofern fällt mein Résumé dieses Abends eher spärlich aus. Eine Band kann sich ihre Fans leider nicht aussuchen, und viele „neue“ Freunde dieser Musik haben den Ursprung und die Intention aus der sie damals entstanden ist anscheinend nicht verstanden.  Vielleicht täte es dieser Fraktion mal ganz gut sich mit der Geschichte dieser Stil-Richtung etwas intensiver zu beschäftigen. Aber möglicherweise liege ich auch falsch, und die Friedfertigkeit ergab sich immer nur aus dem Konsum der Kräuter, welche im Zuge des Nichtraucherschutzgesetzes ebenfalls aus den Konzertsälen dieses Landes verbannt wurden. Kadavar aber ist und bleibt für mich eine der besten Deutschen Retro-Rock-Bands, welche ich mir aber zukünftig dann doch lieber wieder auf den entsprechenden Festivals draußen ansehen werde, wo der vorherrschende Konsens Love, Peace & Rock´n Roll gelebt wird.