Startseite | Kontakt | Impressum | Datenschutz

25 Jahre Wacken Open Air

Märchen beginnen mit den Worten „Es war einmal….. „

Aber sie müssen nicht immer gut enden!

Innerhalb von knapp 48 Stunden war das Wacken Open Air nach dem Vorverkaufsstart ausverkauft, vermutlich weil  die Fans gehofft haben, dass es zum 25jährigen ein Line up zum niederknien geben würde. Doch viele Fans wurden in diesem Wunschdenken enttäuscht. Sicher sind Bands wie Motörhead, Slayer, Megadeath und Hammerfall herausragende Größen, die man beschwerdefrei für jedwedes „normal“ dimensionierte Festival als Headliner akzeptieren kann, doch beim „weltgrößten Metal Festival“, welches sein 25jähriges Bestehen feiert, liegt die Messlatte schon ein klein wenig höher. Von den Gästen hörte man in diesem Jahr oft den enttäuschten Kommentar „Warum sollen sie noch was Großes holen, wenn sie eh schon ausverkauft sind?“ Und auch, wenn man von anderer – interner – Seite hört, dass es bei der Beschaffung eines ranghohen Headliners große Probleme gab, scheint diese Fan-Meinung auch ihre Berechtigung zu haben.

In diesem Jubiläumsjahr wurde aber auch viel anders gemacht, geändert, verbessert aber auch verschlechtert. Ich möchte niemanden mit den Unannehmlichkeiten, die der Presse in diesem Jahr zugemutet wurde langweilen, es sei dazu nur so viel gesagt, dass es zur Folge hatte, dass wir bei weitem nicht so viele Bands sehen konnten, wie bisher. Und somit können wir Euch auch nicht in dem üblichen Ausmaß darüber berichten. Insofern gibt es in diesem Jahr nur Berichte zu folgenden Bands/Künstlern: Bülent Ceylan, Accept, Skid Row, Five Finger Death Punch, Black Star Riders, The Vintage Caravan, und Arch Enemy. Man muss fairer Weise dazu sagen, dass nicht ausschließlich die Pressesituation zu dieser geringen Anzahl beigetragen hat, sondern auch das in diesem Jahr wieder überdurchschnittlich heiße Wetter. Zum Thema Hitze muss man allerdings lobend erwähnen, dass aus dem vergangenen Jahr gelernt wurde. In diesem Jahr gab es Wacken-Wasserbeutel für Trinkwasser, was man sich an mehreren Stellen auf dem Campgelände und auch im Infield kostenfrei zapfen konnte. Ebenso wurde zwischen jeder spielenden Band über die großen Leinwände darauf hingewiesen. Leider war im Infield eine der drei Wasserstellen so ungünstig positioniert, dass die Schlange davor den Ausgang quasi versperrte. Dies war für die Leute in der Schlange und für die Gäste, die das Infield verlassen wollten gleichermaßen unvorteilhaft. Hier kann man also sicher noch nachbessern.

Ebenfalls geändert wurde in diesem Jahr das Infield. Die Einlasskontrollen wurden wesentlich weiter nach hinten verlegt, sodass das Infield in diesem Jahr um ca. 1/3 gewachsen ist. Leider wurde in diesem Zug auch der Pressezugang zum Infield verlegt, was für uns und die Kollegen wesentlich längere und erschwerte Wege zu den Bühnen bedeutete.

Zum 25sten gab es auch eine weitere Bühne im Wackinger Village. Zum einen natürlich die bereits seit Jahren bekannte und fast immer gut belagerte Wackinger Stage, und nun noch die Wasteland Stage im „Wasteland“, einer an Mad Max angelehnten Containerburg mit optisch herausragend kostümierten Darstellern und einer allabendlichen Feuershow mit Flammenwerferunterstützung. Hier traten täglich die Bands Megabosch und Rabbit At War auf.

Was sich glücklicherweise nicht geändert hat ist, dass man im Wackinger Village noch immer das beste, günstigste und frischeste Essen vor Ort genießen kann. Wie zum Beispiel bei Pelles Falafel Stand. Hier wurde man zwar mit Afrikanischem Goa beschallt, aber dafür bekam man neben einer frischen Falafeltasche auch ein lustiges Verkaufsprogramm geliefert.

Für mich war aber besonders erfreulich in diesem Jahr, dass es endlich mal keine Sturzbäche von sich immer  wiederholenden Schlamm-Fotografien gibt, weil das Jubiläum von Unwettern und Wolkenbrüchen verschont geblieben ist. So mussten sich die Fotografen endlich mal anderen, und meiner Meinung nach wesentlich interessanteren, Motiven widmen. Der Nachteil daran war aber auch, dass die Staubstürme für die Atemwege und mit Sonnencreme bedeckte Haut auch nicht besonders angenehm waren. Insofern wird es wohl mehr Bilder von panierten Schnitzeln mit tuchbedeckten Gesichtern zu sehen geben.

Aber nun geht es endlich zum Thema Bands und Künstler.

Am Donnerstag starteten wir um 17 Uhr mit Bülent Ceylan auf der True Metal Stage. Leider verpassten wir hier die ersten Minuten, weil der Shuttlebus nicht rechtzeitig vor Ort war. Aber der „Türk“ hatte schon tausende vor die Bühne gelockt und sein Programm war auch dieses Mal schön auf die Gäste zugeschnitten. Erschreckend war allerdings das kleine Mitgröhlspielchen, was er unter dem Thema Ausländerfeindlichkeit mit den Gästen veranstaltete. Bülent: „Zickezacke Zickezacke…“ Publikum: „Hoi Hoi Hoi“, Bülent: „Hip Hip“ Publikum „Hurra“, Bülent: „Sieg“ Publikum:“…… Den Rest kann man sich denken. Leider funktioniert das bis heute noch zu gut. Glücklicherweise setzte er sein Programm dann mit einem bekehrenden Song im Rammstein-Stil fort, was einen diesen Kloß im Hals schnell wieder vergessen ließ. Und zum Schluss genoss er dann noch die unzähligen Frauenhände im Schritt, als er sich mit blankem Oberkörper crowdsurfend durch die Menge tragen lies. Vor zwei Jahren fand ich seinen Auftritt noch besser, aber auch dieses Mal wird es kaum große Kritiker gegeben haben.

Mit Accept ging es dann um 22:30 Uhr für uns auf der True Metal Stage weiter. Zwar scheiden sich die Geister daran, ob Accept ohne Udo noch Accept ist, aber ich finde man kann sie nach wie vor problemlos weiter mögen. Sicher ist Mark Tornillo etwas anders, er ist nicht so sicher in den hohen Passagen, aber dennoch sehe ich ihn als passablen Ersatz, und die letzten beiden Scheiben bestätigen das durch ihre Verkaufszahlen. Bei ihrem Auftritt schlugen sie auch eine gute Schneise zwischen altem und neuen Material. Neben den alten Hits wie Balls through the Wall und Fast as a Shark, kamen auch Stalingrad und Teutonic Terror zum Einsatz und als Live Premiere Stampede vom aktuellen Album Blind Rage. Alles in allem lieferten sie somit einen soliden Auftritt ab, der einem Wacken Publikum würdig war.

Am Freitag ging es dann gleich früh los, denn bereits um 12 Uhr rockten die Altmeister von Skid Row los. Ein klein wenig in die Jahre gekommen, wirkten sie schon etwas müde, aber wer steht schon gerne zur Mittagszeit bei 30 Grad auf der Bühne. Offenbar hatten die Gäste mit den Temperaturen und den vermutlich zu dieser Tageszeit noch schmerzenden Katern ebenfalls zu kämpfen, denn ich hätte mit einem größeren Ansturm gerechnet bei einer Band, die ähnlich wie Steel Panther mit dem „Party-Heavy Metal“ große Erfolge zu vermelden hatte. Dennoch war die Stimmung gut und von der Songauswahl her konnte man auch nicht klagen. Nur die Zwischenansagen gingen einem dann doch irgendwann ein wenig an die Nerven. Nur gut, dass hier kein Duett mit Doro geplant war, sonst hätte es wahrscheinlich eher eine Talk-Show, als ein Konzert gegeben. Aber sei es drum, meistens schadet es ja nicht, wenn man nach jedem Song fünf Minuten mit Lobhudeleien auf das Publikum um sich wirft und darüber philosophiert, wie einig und familiär die Metal-Szene ist….

Nach Skid Row mussten wir allerdings erst einmal unseren Flüssigkeitshaushalt auffüllen, denn bei Five Finger Death Punch würde ich aller Wahrscheinlichkeit mal wieder nicht stillhalten können. Und so war es dann auch, um 14:15 Uhr beanspruchten die fünf US Amerikaner die True Metal Stage für sich, und machten keinen Hehl daraus, dass sie genau hier hin gehören. Zwar gab es im Vorfeld viele Unkenrufe, was so eine „neumodische“ Band auf dem Wacken soll, aber für mich waren sie eines der wenigen High Lights in diesem Jahr. Seit neun Jahren brüllen diese Jungs gegen Krieg und über Wut, Schmerz und Zerrissenheit mit einer so unbändigen Energie, die einem durch Mark und Bein geht. Doch auch eine solche Band kann gute und schlechte Tage haben. Vor ein paar Monaten habe ich sie in Hamburg in der Großen Freiheit 36 gesehen, aber das war kein Vergleich zu dem, was sie hier abgeliefert haben. Mit einem lauten, sich perfekt in der Magengrube platzierendem Bassschlag eröffneten sie den darauf folgenden Hurricane unbändiger Energie mit dem sie die Menge quasi direkt an den Eiern packten. Hier auf dieser großen Bühne, vor einem extrem gut gefüllten Infield haben sie sich wirklich den Allerwertesten abgespielt und Sänger „Ghost“ hat sich die Seele aus dem Leib gesungen. Mitreißender kann ein Auftritt auf einem solch großen Festival kaum sein. Mit einem Feuerwerk ihrer größten Hits wie Burn it down, Bad Company, Burn MF, Never Enough und einem abschließendem Glückwunsch zum deutschen WM Sieg im Siegertrikot verabschiedeten sie sich mit The Bleeding und hinterließen das Gefühl an diesem Wochenende endlich so etwas wie einen Headliner erlebt zu haben.

 

Mit diesem Gefühl traten wir dann den Weg in die Bullhead City an, wo um 17:45 die Black Star Riders auf der W.E.T. Stage ihren Auftritt hatten. Zugegebenermaßen hatte ich mich im Vorfeld ein wenig geärgert, dass diese Band, welche quasi eine Neuformation aus den alten Thin Lizzy Musikern ist, auf der kleinen Zeltbühne platziert wird, während in meinen Augen eine Shanty-Schlager-Band wie Santiano auf der deutlich größeren Party Stage spielen darf. Während des Auftrittes musste ich allerdings zugestehen, dass diese neue Formation absolut nicht die Klasse und das nötige Charisma für eine größere Bühne als diese hat. Zwar spielen sie amtlich und technisch auf den Punkt, aber sie holen einen nicht ab. Es groovt einfach nicht und bei mir kommt noch nicht einmal das Gefühl des Mitwippen-müssens auf. Ein enttäuschender Auftritt für derartig gestandene Musiker.

Somit machen wir uns recht ernüchtert auf die Suche nach etwas Frischluft, die inzwischen leider extrem mit Sand angereichert ist, doch mit ein wenig Flüssigkeit spült sich der Staub ganz gut runter. Um viertel vor Neun sind wir dann zurück im Zelt, aber dieses Mal vor der Headbanger Stage, denn hier spielen The Vintage Caravan aus Island. Die drei blutjungen Musiker haben sich ganz dem Retro-Rock der 70er verschrieben. Besonders erstaunlich ist, dass diese mal gerade 20jährigen Bengels bereits auf eine achtjährige Bandgeschichte zurück blicken können, denn sie haben die Band bereits mit 12 Jahren gegründet. 2013 wurden sie dann von Nuclear Blast entdeckt und vom Fleck weg unter Vertrag genommen. Und daran hat Nuclear Blast gut getan, denn was diese drei hier auf der Bühne zelebrieren ist der absolute Wahnsinn. Das Zelt ist mehr als halbvoll, was in Anbetracht der Größe des Zeltes und der hier herrschenden Temperaturen wirklich beeindruckend ist. Und trotz der schweißtreibenden und dennoch staubigen Hitze werden diese drei Frischlinge mächtig gefeiert. Aber auf der Bühne geht es nicht minder energiegeladen ab. Der Sänger und Gitarrist, welcher ein wenig an den jungen Joey Kelly erinnert, wirbelt mit seiner roten Mähne umher, dass man Angst bekommt, dass die Strähnen sich in den Gitarrensaiten verheddern könnten. Da hat es der kurzhaarige, bärtige Bassist einfacher, doch auch er rennt und springt voller Elan auf der Bühne umher und genießt offensichtlich jeden einzelnen Ton, den er hier spielen darf. Vom Schlagzeuger sieht man auch nur fliegende Haare nach Tier-Art der Muppets. Und diese unbändige junge frische Energie, gepaart mit dem groovenden uptempo Rocksound der 70er lässt vor der Bühne jeden mit einem Grinsen mitrocken. Nicht nur einmal werden wir von den umstehenden Leuten gefragt, was das denn bitte für eine geniale Band ist und von woher die denn kommen, während andere den urtypischen Tanzstil der 70er wieder aufleben lassen und die Mähnen a´la Janis Joplin schütteln. Leider ist dieser Auftritt viel zu schnell vorbei, aber er lässt uns zufrieden den Weg zurück zum Infield antreten, wo Motörhead gerade die letzten Töne verklingen lassen. Lemmy hat tatsächlich und erfreulicherweise durchgehalten. Die Frischluft, die ihm via Schlauch zwischen den Monitoren zugeführt wurde war dabei sicherlich hilfreich, aber er macht alles in allem den Eindruck, dass wir noch ein paar Jahre mit ihm teilen dürfen. Ebenso beeindruckend, aber irgendwie nicht ganz so erfreulich erscheint mir allerdings der Blick von hinten über das gesamte neue und größere Infield bis hin zur Bühne. Bis hoch zur Straße reiht sich hier Kopf an Kopf über die gesamte Breite des Geländes, mir scheint, dass es in diesem Jahr wohl ein ganz klein wenig mehr als die obligatorisch angegebenen 75.000 Gäste zu sein scheinen. Mit diesem Gedanken kämpfen wir uns durch die Menge zum Pressebereich zurück und lassen den Tag dann mit einem Bierchen ausklingen.

Der Samstag beginnt um 8 Uhr wieder mit brachialem Sonnenschein, und wir werden von den Temperaturen aus dem sich zur Sauna entwickelnden Auto getrieben. Eigentlich standen bei uns heute acht Bands auf der Liste, geschafft haben wir aber im Grunde nur eine. Dies ist zum einen dem für uns recht schwachen Line up, und den damit entstehenden viel zu großen Pausen zwischen den Bands geschuldet, zum anderen den während dieser Pausen nicht auszuhaltenden Hitze, was letztendlich dann auch zu unseren doch recht frühen Abreise führte. Im letzten Jahr war es zwar noch heißer, aber weil man unentwegt unterwegs war um auch möglichst wenige Bands zu verpassen, viel das nicht so schwer ins Gewicht. Und es hatte in diesem Jahr noch weitere Gründe, welche ich aber in einem separaten Bericht darlegen werde, da es sicher nicht so viele interessiert, wie es der Presse dieses Jahr erging.

Also schließen wir 25 Jahre Wacken Open Air mit Arch Enemy ab. Im vergangenen Jahr beeindruckten Nightwish die Masse in Wacken mit ihrer Wiederauferstehung durch Floor Jansen. In diesem Jahr sind es Arch Enemy, welche mit ihrer sexy Schlumpfine Alissa der Metalwelt zeigen, dass man auch in einem derart schweren Genre eine würdige Nachfolgerin für Angela Gossow finden kann. Bereits das im Vorfeld veröffentlichte Video „War Eternal“ lies hoffen, dass diese blauhaarige Schönheit mit dem einnehmenden Lächeln und der unfassbar tief grollenden Stimme die Lücke, die der Ausstieg von Angela hinterlassen hat, füllen könnte. Doch die langjährigen Arch Enemy Fans wissen, dass bei dieser Band nur die Live-Performance ausschlaggebend ist. Und somit war bereits um 12 Uhr  mittags das Infield so voll wie nie zuvor. In der sengenden Mittagshitze harrten die Fans erwartungsvoll aus und die Spannung stieg fühlbar ins Unermessliche. Dann begann das Intro und an dessen Ende erklang das, worauf alle gewartet haben: Ein einzelnes alles übertönendes tiefes voluminöses Growlen, was keinen Widerspruch zuließ, dass hier keine Zweitbesetzung am Start ist, sondern eine neue Ära eingeläutet wird! Was Nightwish erst beim zweiten Versuch geschafft haben, haben Arch Enemy gleich beim ersten – und hoffentlich letzten – Mal zu 100% richtig gemacht! Alissa steht zu ersten Mal auf einer Wacken Bühne und gleich auf der Größten, aber man merkt ihr die Aufregung nicht an. Souverän und mit aller Energie zieht sie die Masse in ihren Bann und lässt keinen Zweifel daran, dass sie mit Recht die neue Stimme und das neue Gesicht von Arch Enemy ist. Für uns Frauen ist es oft nicht leicht so etwas einzugestehen, aber hier muss ich neidlos sagen, dass Alissa die wohl herausragendste Metal-Front-Frau dieses Jahrzehntes ist. Bildschön, charismatisch bis in die letzte Faser und mit einer unfassbar beeindruckenden Stimme schmettert sie alte wie neue Arch Enemy Songs in einer Art und Weise, dass so mancher das Headbangen vergaß, während er mit offenem Mund und einem langsam herabrinnenden Sabberfaden an der Unterlippe auf die Bühne starrte. Ich für meinen Teil hatte mir eigentlich vorgenommen, erst eine halbe Stunde dieses Auftritts zu sehen und dann zu Prong vor die Partystage zu wechseln…. Wer war nochmal Prong?? Abgesehen davon, dass im Infield ohnehin kaum an ein Durchkommen zur Partystage in angemessener Zeit zu denken war, erschien es mir auch kaum möglich auch nur eine Sekunde dieses Auftrittes hier verpassen zu wollen. Und so genossen wir dieses einmalige Schauspiel bis zur letzten Sekunde. Eigentlich stand für uns jetzt noch Hatebreed auf der Partystage und The Ocean auf der W.E.T. Stage auf der Liste, bis dann mit Amon Amarth das Finale diesen Jahres auf der Bühne eigeläutet werden sollte. Bis Hatebreed waren es aber noch Stunden, und so ließen wir uns zunächst auf der „Shopping Meile“ staubig panieren. Irgendwann waren wir dann doch noch 30 Minuten zu früh an der Partystage und die Sonne brutzelte uns langsam aber sicher eine rotbraune Kruste auf die Haut, der auch unser SF50 nichts mehr entgegen zu setzen hatte. Und da ich mir bei Hatebreed normalerweise gerne bis zum Exzess den Nacken verdrehe, entschieden wir uns diese Gefahr zu meiden und im Pressebereich ein wenig Schatten zu finden. Das war insofern eine gute Entscheidung, weil uns inzwischen mehrfach die Meldungen erreichten, dass sich Fälle mit Hitzeschlag, Kreislaufkollaps und Verbrennungen im Rotkreuz Bereich häuften. Bis zu The Ocean wären es dann auch noch einmal eine Stunde länger gewesen, und die Aussicht auf ein staubiges Saunazelt machten es auch nicht besser. Also blieb die Wahl noch zwei Stunden in der Hitze auszuharren, oder Amon Amarth sausen zu lassen. Und für Letzteres haben wir uns dann entschieden, auch in Anbetracht unserer Gesamtstimmung was die Ermöglichung einer vernünftigen Presseberichterstattung in diesem Jahr anging. Insofern tut es mir leid, dass wir nicht umfangreicher berichten konnten. Für diejenigen, die es interessiert, werde ich noch einen gesonderten Bericht schreiben, der ausschließlich darstellt, wie schwer es der Fachpresse in diesem Jahr gemacht wurde angemessen arbeiten und berichten zu können.

 

Mein Resümee ist in diesem Jahr leider sehr ernüchtert. Sieben Jahre Wacken Open Air waren für mich jahrelang wie nach Hause kommen, guten Metal und Hard Rock sehen, Freunde aus aller Welt treffen und eine gute Zeit haben. Ich habe dem Wacken trotz aller Unkenrufe über den Kommerz die Treue gehalten, und versucht dieses Festival - soweit es vertretbar war - in einem positiven Licht dastehen zu lassen. Sieben Jahre habe ich versucht fair und loyal für beide Seiten zu sprechen, aber manchmal muss man loslassen, wenn man realisiert, dass man nicht mehr erwünscht ist. Ich wünsche dem Festival auch für die kommenden Jahre alles Gute, gerade allen, die sich nach wie vor für kleines Geld der Musik wegen dafür einsetzen, dass die Gäste eine möglichst tolle Zeit haben! Danke für sechs wunderbare Jahre mit Euch allen, aber nach diesem siebten Jahr ist hier an dieser Stelle für uns Schluß. Wir werden in den kommenden Jahren andere Festivals besuchen und von dort aus berichten, wo man nicht zugunsten der großen Medienmogule auf das Abstellgleis geschoben wird.