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Papa Roach im Aladin Bremen 2013

Es ist ein grauer Sonntagabend im November an dem Papa Roach dem Bremer Aladin ihre Aufwartung machen. Auf dem Weg zu Bremens Club-Legende, dem Aladin, säumen Fahrzeuge mit Kennzeichen aus dem regionalen Umland, aber auch weit entfernter Orte, wie zum Beispiel Parchim, den Straßenrand. Zwar haben Papa Roach seit ihrem ersten Album und dem Top Ten Hit Last Resort nie wieder an derartig kommerzielle Erfolge anschließen können, aber dennoch blieben sie konstant ihren Fans erhalten und punkteten mit ihren energiegeladenen Live-Konzerten. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass selbst an einem verregneten Herbst-Sonntagabend das Aladin, trotz eines doch recht amtlichen Ticketpreises, beachtlich gefüllt ist.

 

Als wir vor Ort eintrafen, steht bereits die erste Supportband auf der Bühne. Diese allerdings hat gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen. Zum einen ein offensichtlich nicht an einem guten Sound für eine Vorband interessiertem Tontechniker, und zum anderen ein Frontmann, dem ich das Attribut „Sänger“ aus Respekt vor den talentierteren Kollegen nur ungern verleihen möchte. Entsprechende Unterstützung meiner Ansicht erhielt ich durch die teils schmerzverzerrten Gesichter rund um mich herum, sobald das Gesangsmikrophon mit verbalem „Geräusch“ penetriert wurde, welches sich fern von jedweder durch Buchstaben bestimmter Tonlagen, schräg und schief durch unsere Gehörgänge fraß, wie Säure durch Metall. Wer nun vermutet, dass es sich um eine dieser Growl- und Brüll-Core-Bands handelt, deren Texte man nur durch das Lesen der Lyrics im Booklet zu entschlüsseln vermag, liegt hier komplett falsch.

Stilistisch könnte man sie im melodischen Alternative-Rock ansiedeln, wenn man denn so mutig ist und den Oberbegriff mit diesem kläglichen Versuch des Zusammenspiels von Schlagzeug, Bass, Gitarre und Logorö so zu betiteln. Somit bleibt hierfür nur die Beurteilung „Sie haben sich verzweifelt bemüht“. Glücklicherweise war diese klangliche Odyssee schnell vorüber.

Nachdem sich die Trommelfelle der Besucher ein wenig entkrampfen konnten, war es an der Zeit für die zweite Vorband. Glamour Of The Kill nennen sich die vier Briten, die dann den harten Job hatten, das Unvermögen ihrer Vorgänger wieder auszubügeln, um die Masse gebührend für die heutigen Headliner aufzuwärmen. Und erfreulicherweise ermordeten sie glamourös und ohne Umschweife das vorangegangene akustische  Desaster. Leider gab es auch hier mehrfach massive Probleme mit der Technik. 

Allerdings umschiffte der Sänger gekonnt und mit Humor das nicht funktionierende Gesangsmikro, welches wohl bleibenden Schaden durch den vorangegangenen Nutzer genommen hatte.

Foto: SAM Band: Glamour Of The Kill
Foto: SAM  Band: Glamour Of The Kill

Souverän krümmte er sich vor den Mikrophonständer des erheblich kleineren Gitarristen, bis sich endlich ein Techniker auf die Bühne bemühte um das Problem zu beheben. Bei dieser wirklich kraftvollen und gut gelaunten Band störten nur die bis zum dritten Song nicht enden wollenden schmerzhaften   Rückkopplungen.

Doch auch diese gingen an uns vorüber und so wurde der Rest dieses Auftrittes doch noch zu einem wahren Genuss.

Foto: SAM Band: Glamour Of The Kill

Nicht nur musikalisch und gesanglich war dies ein mehrfacher Quantensprung, sondern auch was die Performance anging. Das Publikum ging voll mit und erwiderte jede Aufforderung zum Mitmachen von der Bühne mit vollem körperlichem Einsatz. Insofern wird den Jungs von Glamour Of The Kill hoffentlich noch eine große musikalische Laufbahn bevor stehen.

Foto: SAM Band: Glamour Of The Kill

Nach einer - für mein Empfinden - ein klein wenig zu langen Umbaupause, in der sich der Platz zwischen den Gästen vor der Bühne auf Bruchteile von Millimetern reduzierte, stürmten dann endlich Papa Roach die Bühne.

Ich muss erstaunt zugeben, dass Sänger Shaddix trotz nun fast 14jähriger Bandgeschichte noch immer aussieht, als wenn er Mutti erst fragen müsste, ob er noch so spät zum spielen raus darf. Und mit genauso viel jugendlicher Energie stürmt er auf der Bühne von einer Seite zur anderen, springt mit der Menge um die Wette, sodass vor der Bühne trotz der Enge niemand mehr still stehen kann. 

Foto: SAM Band: Papa Roach

Bereits beim dritten Song werden die ersten Erschlafften aus der Masse zum Bühnengraben transportiert.

 

Zugegebenermaßen bin ich sehr froh, dass man im Norden ein wenig disziplinierter und umsichtiger ist, als ich es anderswo erlebt habe, denn sonst hätte ich mir mehr Sorgen um die Sicherheit und Gesundheit der Gäste gemacht, da hier offensichtlich über die eine oder andere Sicherheitsmaßname hinweg gesehen wurde.

Aber es ging anscheinend alles gut, und auch Papa Roach setzten ihre Songs gekonnt ein, um der Menge auch mal eine Erholungspause zu gönnen, bis dann wieder Vollgas gegeben wurde. 

Foto: SAM Band: Papa Roach-Crowd
Foto: SAM Band: Papa Roach - Shaddix

Gesangschöre bei den Refrains wechselten sich mit Klatschkompositionen mit hochgerissenen Armen und kollektiven Hüpfen ab. Und als Shaddix dann in den Bühnengraben sprang um mit den Fans auf Körperkontakt zu gehen, war vorne auch kein Halten mehr. 

Alles in allem waren alle relevanten Hits, wie Between Angels and Insects, Lifeline, Getting away with Murder und natürlich Last Resort dabei, aber auch die weniger bekannten Songs wurden ebenso gefeiert.

 

>Papa Roach sind sicher keine Band, die durch herausragende Kompositionen oder fein herausgearbeitete musikalische Finesse in die Geschichtsbücher eingehen wird, aber das müssen sie auch gar nicht, denn Papa Roach sind und bleiben eine absolute Live-Band, die mitreißt und begeistert und vor allem: eine Menge Spaß macht!

Als Besucher sollte man aber auf jeden Fall fit sein und gute Sprunggelenke haben!

 

 

Fotos (Handy): Sam

Konzert: Papa Roach

Datum: 10.11.2013

 

Ort: Aladin Music Hall Bremen