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D.A.D oder Disneyland After Dark – 30 Jahre handgemachte Leidenschaft

Seit 30 Jahren leben die Dänen von D-A-D leidenschaftlich den handgemachten Hard-Rock, und das zelebrieren sie gemeinsam mit all ihren Fans. Zunächst schenkten sie ihren Fans der ersten Jahre, als sie nur in ihrer Heimat Dänemark bekannt waren, 30 kleine Club-Konzerte. Die vier Hard-Rock Pioniere ihres Landes, welche zu Hause normalerweise Stadien füllen, entschieden sich zum Bandjubiläum dafür 30 Konzerte in kleinen Clubs zu spielen um näher an ihren Fans zu sein und dem Jubiläum so eine etwas persönlichere Note zu geben.

Jetzt spielen sie 30 weitere Konzerte, welche Jacob, Jesper, Stig und Laust einmal um den Globus ihrer eigenen Bandgeschichte bringen, wobei das letzte Konzert dieser Tour in Moskau, die Jungs doch ein wenig nervös und nachdenklich macht, ob der derzeitig doch sehr angespannten Lage in Russland. Aber wie Jacob im Interview doch sehr deutlich machte, geht es schließlich und zuletzt um die Fans und die können für das Handeln ihres Präsidenten ja nichts.

 

Zunächst sind D-A-D aber in Hamburg zu Gast. „Hamburg is like coming home“ sagt Jacob mit einem freudigen Lächeln auf den Lippen. Und genauso sympathisch wie Jacob im Interview ist, so sind alle vier auch auf der Bühne. Doch zunächst enterte die Vorband „Hong Faux“ die Bühne der Großen Freiheit 36 in Hamburg. Die vier Schweden positionierten sich im derzeit so angesagten Retro-Rock mit einer Prise Stoner-Rock. Auch wenn der Besucherraum sich noch eher langsam füllte beeindruckten sie doch schon sehr mit guten Songs, welche sehr eingängig und doch ausgefeilt arrangiert sind. Nach und nach wurde es voller und zum Ende des Vorspiels hatten sie das Publikum doch gut im Griff und konnten die Bühne mit der Gewissheit verlassen, dass sie ihren Job gut erledigt haben und mit Sicherheit viele positive Kommentare ernten, und auch am Merch nicht ganz leer ausgehen würden.

Es folgte die gut koordinierte Umbaupause, welche dennoch alles in allem eine viertel Stunde länger dauerte, als veranschlagt. Und das Publikum war hungrig, denn bereits als nur die verschiedenen Bässe von Stig auf die Bühne gebracht wurden, brach es schon in Jubel aus. Als das Intro erklang und die Bühne vom Nebel und Scheinwerfern in dunkles Blau gehüllt wurde, war es dann soweit: D-A-D betraten die Bühne und zu Rintintin, einem ihrer ältesten Songs, positionierten sie sich mit dem Rücken zum Publikum und hielten diese Position bis zum letzten Ton. Erst dann drehten sie sich zu ihren Fans, und diese jubelten ihnen entgegen. Mit Jihad folgte schon der nächste Hit und ebenso wie vor der Bühne wurde auch auf der Bühne Vollgas gegeben. D-A-D sind in Bestform und nur die eine oder andere Lachfalte in ihren Gesichtern verriet, dass diese Jungs schon seit 30 Jahren auf den Bühnen dieser Welt unterwegs sind. Besonders herausragend allerdings war Stig an seinen selbst entworfenen ausgefallenen Basskreationen, wie den beiden Plexiglas Bässen, die durch LEDs illuminiert wurden, dem Raketen-Bass und weiteren, welche aber alle nur zwei Saiten haben, weil Stig mit seinem ganz eigenen Stil eben nur zwei Saiten braucht.

Doch nicht nur dadurch stach Stig aus der Masse der unscheinbaren Riege der Bassisten heraus, sondern auch, weil er eine absolute Rampensau ist. Er ist der „Manne Quin“ der Band, denn sein Outfit und seine Größe machen ihn ohnehin zum Hingucker, doch das ist nicht genug! Er ist derjenige, der sich das Posing zur Berufung gemacht hat. Nicht nur einmal stellte er sich auf die Bassdrum und streckte die Rakete in die Höhe, und er genießt es. Aber auch alle anderen feierten ihren 30jährigen Geburtstag. Jesper hatte fleißig Deutsch geübt – 2012 lies das in Wacken noch einige Fans etwas ratlos rätselnd vor der Bühne zurück – doch hier und heute war es so ausgereift, dass sogar sein charmanter Humor gut rüber kam, welcher zwischen den Songs immer wieder für eine perfekte Stimmung zwischen der Band und dem Publikum sorgte. Was für mich besonders erstaunlich war, ist das ich bis dato hin und wieder ein leichtes Zucken im rechten Augenwinkel hatte, weil Jespers Stimme live gerne mal an dem einen oder anderen geraden Ton vorbei schrabbte, aber an diesem Abend war alles perfekt. Jesper war stimmlich und körperlich perfekt auf dem Punkt, es hätte nicht besser sein können. Und sogar Jacob – Mr. Cool on Stage – konnte es nicht verhindern, dass man unter der Krempe seines Zylinders das eine oder andere Lächeln entdeckte. Kurzum, die vier Dänen feiern 30 Jahre auf der Bühne, aber sie feiern MIT ihren Fans! Schon im Interview betonte Jacob, wie wichtig ihnen die Chemie und Kommunikation zwischen der Band und dem Publikum ist, und man merkt es in jeder Sekunde dieses Konzertes. Ganz besonders war auch, dass die Fans fast jeden Song mit ihrer Band zelebrierten, und auch neue Songs wie I want what she’s got mit voller Kehle mitgesungen wurden. Nichts desto trotz war es klar, das fast alle auf DEN einen Song warteten, der dann auch endlich kam: Sleeping my day away! Im Grunde genommen hätte Jacob nur das Solo und Stig die Basslinie spielen müssen, den Rest haben die Fans auch so im Griff. Alle haben jedes einzelne Wort mitgesungen, ein grandioser Chor, welcher mit Inbrunst diesen Song schmetterte, der so viel Lebensgefühl von nunmehr fast drei Generationen transportiert. Das war die Katharsis, auch wenn mein liebster D-A-D Song nach wie vor A Laugh and a half ist, welcher dann auch bald folgte. Insgesamt gab es vier Zugaben und am Ende, wie bei D-A-D üblich After Dark, der letzte Song, der immer mit allen gemeinsam zelebriert wird.

Für mich ist es klar, an diesem Abend dürfte niemand unbefriedigt nach Hause gegangen sein, denn diese Tour ist wohl mit Abstand die Beste, welche die vier Dänen in 30 Jahren gespielt haben. Bleibt nur zu hoffen, dass da noch mindestens 10 bis 20 Jahre folgen werden, denn das sind die besten Dänischen Hot Dogs, die man für Geld bekommen kann!