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Das German Kultrock Festival in der Balver Höhle 2013

Überraschend, hypnotisch, beeindruckend, ernüchternd und zu 100% lohnenswert!

Das German Kultrock Festival ist ein Ein-Tages-Festival in einer der wohl außergewöhnlichsten Locations in Deutschland: Die Balver Höhle im Sauerland, welche jedes Jahr mit einer exquisiten Auswahl von ganz besonderen Bands aufwartet, die das Attribut „Kult“ mit Recht verdient haben. In diesem Jahr standen neben dem alljährlichen Auftritt von Peter Pankas Jane noch Steam Ahead, My Sleeping Karma, Pothead und The Brew UK auf dem Plan. Da ich The Brew UK bereits einige Male live erleben durfte, Peter Panaks Jane mehrfach selbst veranstaltet habe, und My Sleeping Karma mir noch relativ unbekannt waren, stand für mich der Auftritt der Berliner Pothead an Priorität Nummer Eins, was aber im Laufe des Tages eine überraschende Wende nehmen sollte.

Doch von Anfang an.

Nachdem ich am Vortag in Oldenburg die deutsche Krautrock Legende Birth Control in Oldenburg selbst veranstaltet hatte, und die Altmeister wie gewöhnt ein fulminantes Konzert gaben, machten wir uns am Samstag den 28. September 2013 auf den Weg ins wunderschöne Sauerland, welches ein siebter Himmel für Motorradfahrer ist, mit seinen kurvenreichen Strecken durch urige bewaldete Täler, mit kleinen alten Eisenbahnbrücken aus groben Felssteinen und sich an der Strecken entlang schlängelnden naturbelassenen Bächen.

Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir an der Balver Höhle an und wurden von freundlichen Parkplatzordnerinnen eingewiesen. Sobald sich die Türen meines alten Volvos öffneten wurden wir bereits mit kultigen Hits vergangener Glanzzeiten des Rock beschallt, denn die Rock-Cover-Band Steam Ahead stand bereits auf der Bühne, und bis auf den direkt unterhalb der Höhle liegenden Parkplatz ergossen sich die Klassiker von Deep Purple, Led Zeppelin und vielen weiteren und stimmten die Gemeinde auf das Festival gebührend ein.

Normalerweise hat die Balver Höhle ein Fassungsvermögen von ca. 2000 Personen, welche aber für dieses Festival wegen der großen Bühne ein wenig reduziert werden musste. Somit war es auch nicht verwunderlich, dass bereits etliche Wochen vorher das Wort „ausverkauft“ auf der Homepage prangte. Da ich Festivals und Konzerte in etwas heimeliger Atmosphäre bevorzuge, kam mir diese doch recht überschaubare Größe sehr entgegen, denn so hat man zum einen eine persönlichere Nähe zu den Künstlern, bessere Sicht und das Publikum ist im allgemeinen auch entspannter und man trifft alte Bekannte schnell mal wieder. So auch hier.

Bereits am Check in wurden wir freundlich und herzlich von Guido, einem der beiden Hauptveranstalter, persönlich begrüßt und mit unseren Pässen ausgestattet. Auf dem Vorplatz tummelten sich bereits dicht die Fans des guten, handgemachten Rock.

Neben einem zentralen Bierwagen mit ortsüblichem Veltins und einer Nahrungsstation stellte ich erfreut fest, dass dieses Festival einen für Frauen ganz entscheidenden Pluspunkt zu vermelden hat: Ein massives Gebäude mit hervorragenden sanitären Anlagen. Somit war meine Dixiphobie besänftigt, die Wertmarken für Speis und Trank wurden erworben, und mit einem frisch Gezapften ging es dann in die Höhle. Der riesige Eingang der Höhle wurde von einem nicht minder riesigen Vorhang komplett verhüllt und mittig davor stand ein Bauzaun-Rondell. Ein wenig verwundert war ich schon, was das dort soll, aber als wir auf der rechten Seite durch den Vorhang in die Höhle gingen eröffnete sich uns der Grund dafür. Denn die Bühne stand nicht, wie ich erwartet hätte, am Ende in der Höhle, sondern direkt im Eingang und schallte in die Höhle hinein. Also rechts an der Bühne vorbei, auf der gerade noch Steam Ahead laut bejubelt wurden, und tiefer hinein ins ausgehöhlte Gestein des Berges. Nach hinten ging es ein paar Stufen hinauf und dort gab es dann diverse Merch- Stände der Bands, ein weiteres Gerstensaftversorgungsdepot, einen Verkaufsstand bei dem jeder Vinyl-Liebhaber in wahres Entzücken ausbrechen würde, diverse rustikale Massivholz- Sitzbänke und einen Stand des lokalen Radiosenders, der dieses Festival tatkräftig unterstützt. Immer wieder schweifen unsere Blicke die felsigen Wände empor, und wir sind beeindruckt von der Größe dieser Höhle, denn schließlich befinden wir uns im Sauerland und nicht in den Alpen, wo man so etwas eher erwartet hätte. Allerdings viel uns beiden auf, dass man diese wunderbare Location doch wesentlich spektakulärer visuell in Szene setzen könnte, denn die hier und dort aufgestellten farbigen Scheinwerfer lassen die Felswände nicht so beeindruckend zur Geltung kommen, wie man es sich wünschen würde. Doch im Grunde geht es hier ja auch nicht um Felswände, sondern um die Musik! Wir gingen noch einmal kurz nach draußen, da in der Höhle eigentlich das Rauchen untersagt war. Wie ich bereits erwähnte mag ich kleinere Festivals, wegen der Überschaubarkeit und der Möglichkeit den einen oder anderen Künstler auch mal so anzutreffen. Und so kam es dann auch, dass ich direkt neben uns die „Familie“ The Brew UK entdeckte. Da ich sie bereits vor vier Jahren im Wilhelmshavener Pumpwerk kennenlernen dürfte, gingen wir rüber und begrüßten Jason, Kurtis und Tim persönlich. Erstaunlicherweise erinnerten sie sich noch an den roten Derwisch aus Wilhelmshaven und wir sprachen ein wenig über ihre Tour und die Entwicklung, welche die Drei in den letzten Jahren gemacht haben.

Vor vier Jahren berichtete Tim noch darüber, dass sie überall in Europa Mal für Mal vor größerem Publikum spielen, Presse und Fans immer mehr auf sie aufmerksam werden, aber in ihrer Heimat Groß Britannien die Resonanz auf diese selbst vom Rolling Stone Magazin als weltbeste Band ausgezeichneten Musiker eher unbeachtet geblieben sind. Dies scheint sich aber erfreulicherweise geändert zu haben, denn inzwischen sind wohl auch die Briten darauf gekommen, welches Juwel sie da in ihren Reihen haben. Hier und heute freuten sich Tim (Bass), sein Sohn Kurtis (Drums) und Cousin Jason (Gitarre) aber besonders, in dieser doch auch für sie ganz besonderen Location spielen zu dürfen. Die anderen Bands waren ihnen eher unbekannt, und so stand ich irgendwann vor den Grenzen meiner Sprachkenntnisse, als ich versuchte auf Englisch zu erklären, was denn wohl „Krautrock“ sein könnte. Aber auch diese Klippe umschifften wir irgendwie. Die Musik von My Sleeping Karma musste ich dann glücklicherweise nicht mehr definieren, denn die gingen just auf die Bühne, also gingen die Jungs einfach mit in die Höhle.